KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 95
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Wildboden im Schnee
Das Werk strahlt eine eigentümlich harmonische
Atmosphäre aus. Dies erreicht Kirchner durch
Im Oktober 1923 zieht Kirchner zusammen mit
die Nutzung einer äusserst reduzierten Farbausseiner Partnerin Erna Schilling in ein altes
wahl. Er beschränkt sich vorwiegend auf
Bauernhaus in Davos Frauenkirch, wo er bis zu
weisse und violette Farbtöne, welche die Komseinem Lebensende wohnen wird. Das Haus
position dominieren. Das betrifft nicht nur
liegt auf dem sogenannten Wildboden direkt am die Ausarbeitung des Bergpanoramas, dessen
Eingang des Sertigtales. Die unmittelbare Umschneebedeckte Hänge durch violette Farbtupfer
gebung dient oftmals als Motiv für seine Werke,
strukturiert werden. Auch die typischen, schlanso auch beim Ölgemälde Wildboden im Schnee.
ken Tannen erheben sich in einem dunklen
Dieses zwischen 1924 und 1926 entstandene
Violett aus der Landschaft. Unterbrochen wird
Werk zeigt den Blick auf den Wildboden und
dieses Farbschema vereinzelt durch den Zuim Vordergrund Kirchners schneebedeckte Hütte. satz von sanftem Rosa, dunklem Grün oder warEinzelne Wege führen wie rosafarbene ornamem Türkis.
mentale Spuren durch die Schneelandschaft. Das
Bereits ab 1921 zeichnet sich in Kirchners Kunst
eindrucksvolle Bergpanorama ist charakterisein Stilwechsel ab. Seine Werke zeigen nun
tisch für Kirchners Schweizer Werke. In diesem
einen flächigeren Stil. Anstelle des fächerartiGemälde zeigt es sich vor einem monoton
gen, teils kantigen Farbauftrags wirkt der Pinseltürkisfarbigen Himmel und lenkt den Blick auf
strich ruhiger und sanfter und konzentriert
den Eingang des Sertigtales. Dieser wird von
sich auf eine weichere Formensprache. Diese
diagonal verlaufenden Berghängen mit lang geEntwicklung innerhalb seines Œuvres zeigt sich
streckten Tannen flankiert.
auch in diesem Gemälde an der durchdachten
Pinselführung, wodurch die Szenerie stimmungsvoll und erhaben wirkt.