KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 42
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Deshalb erstelle ich zwei Dateien: Eine dokumentiert das Negativ so, wie es uns heute vorliegt –
möglichst unverändert. Und eine zweite, bearbeitete Fassung, ein Positiv also, als hätte ich einen
Abzug in der Dunkelkammer angefertigt. Dabei
versuche ich, den Kontrast möglichst gut anzupassen und das festgehaltene Motiv so gut wie
möglich sichtbar zu machen.
Nun folgen noch Kirchners Fotografien
seiner Skulpturen. Warum freust du dich
darauf ganz besonders ?
PH
Beim Fotografieren einer Skulptur gibt
es ganz andere, kreative Möglichkeiten. Allein die
Frage der Ansicht: Aus welcher Höhe wird fotografiert? Wie wird die Skulptur betrachtet?
Wie viele Ansichten machst du? Und dann spielt
natürlich das Licht eine riesige Rolle – die Beleuchtung, das Spiel von Licht und Schatten.
Der moderne Bildhauer Constantin Brâncuși
hat zum Beispiel wunderschöne Fotos seiner
Skulpturen gemacht. Auch bei Kirchner dürften
diese Aufnahmen besonders interessant sein,
denn sie dokumentieren letztlich seine Sichtweise
auf die eigenen Skulpturen.
Es gibt viele Beispiele in der Kunstgeschichte,
bei denen gerade in der fotografischen Auseinandersetzung mit der Skulptur die Grenze
zwischen Dokumentation und künstlerischer
Fotografie verschwimmt. Vielleicht gehören
Kirchners Arbeiten auch dazu. Die Sorgfalt und
das handwerkliche Können deuten zumindest
darauf hin. Das macht die Arbeit mit diesen Aufnahmen so spannend.
MG
PHILIPP HITZ, FOTOGRAF
Geboren 1973, Ausbildung in Paris, seit 1997 als Fotograf tätig.
2010 – 2020 Fachbereichsleiter Fotografie am
Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA)
in Zürich, seit 2020 wieder freiberuflich tätig,
spezialisiert auf die Fotografie von Kunstwerken.
Lebt seit 2023 in Willisau (Luzern) und fotografiert
für Kunstschaffende, Museen, Sammlungen,
Auktionshäuser und Galerien.
Ernst Ludwig Kirchner,
Der Bauer Kaspar
Cadiepolt auf der
Stafelalp, um 1919