KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 39
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Ein Gespräch über Kirchners Reproduktionsfotografie,
die verschiedenen Ebenen seiner Negative und
das archäologische Vorgehen im Umgang mit einem
hochempfindlichen Material.
Philipp, du hast rund hundert historische Nitratnegative von Ernst Ludwig
Kirchner digitalisiert und damit ein hochsensibles Material für die Forschung und das
Publikum neu zugänglich gemacht. Auf
welche Bildwelten bist du dabei gestossen ?
PH
Bei diesem Konvolut handelt es sich um
von Kirchner eigens angefertigte Reproduktionsaufnahmen seiner Zeichnungen, Grafiken
und Gemälde. Teilweise hat er bereits vorhandene
Fotografien seiner Werke erneut abfotografiert.
Man erkennt, dass er einige dieser Fotos bereits
auf Papier aufgeklebt hatte, das mit handschriftlichen Vermerken versehen war – offenbar
Abbildungen von Werken, die er nicht bei sich
hatte. Zudem gibt es ein Kuvert mit Fotografien
von Skulpturen, das ich bislang noch nicht
gesichtet habe.
Er hat einen sorgfältigen Job
gemacht – hat sich viel Mühe
gegeben. Das ist nicht aus
der Hüfte geschossen, was man
ja denken könnte.
MG
Dass Kirchner sein Schaffen akribisch
und in grossem Umfang dokumentierte,
zeigen auch die im Museum erhaltenen Glasnegative sowie die Fotoalben, in denen
er seine Werke nahezu katalogartig erfasste.
Konntest du in deiner Auseinandersetzung
mit diesen Aufnahmen etwas über Kirchners
Arbeitsweise als Reproduktionsfotograf
erfahren?
MG
Ich meine, dass er einen sorgfältigen Job
gemacht hat – er hat sich viel Mühe gegeben.
Das ist nicht aus der Hüfte geschossen, was man
ja denken könnte. Die Papierarbeiten hat er
mit Reisszwecken oder Nadeln an die Wand gepinnt, die Gemälde an die Wand gehängt,
wahrscheinlich eine Aussenwand seiner Hütte.
Die Negative sind für damalige Verhältnisse
ziemlich grossformatig – ich würde sagen, gut
13 × 18 cm, es gibt aber ganz unterschiedliche
Seitenverhältnisse. Das Filmmaterial hat er
selbst zurechtgeschnitten, interessanterweise
oft angepasst an das Seitenverhältnis der Vorlage.
Vielleicht war das Zufall, er war wirklich sehr
sparsam, vielleicht hat er es auch im Nachhinein
gemacht. Ein Grossteil der Aufnahmen ist
jedenfalls unheimlich detailgenau – aber es gibt
auch andere.
PH