KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 37
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einer Mattscheibe ausgestattet, um die Schärfe einzustellen und
verfügte über eine Plattenkassette für Glasnegative. Trotz ihrer
mühseligen Handhabung verwendete Kirchner dieses Modell über
seine gesamte fotografische Schaffensphase hinweg bis 1937.
KLEINE REISEKAMERAS
ALS PRAKTISCHE ALTERNATIVEN
Ab 1910 setzte Kirchner eine weitere Kamera ein, bei der es sich
um eine Reisekamera unbekannten Modells handelte. Sie besass
das Aufnahmeformat von 13 × 18 cm, war mit einer Kassette
für Glasplatten und Planfilme ausgestattet und verfügte über einen
pneumatischen Auslöser. Da Kirchner nur eine Kamera mit diesem Format besass, lässt sich anhand der Aufnahmen ein sporadischer Verwendungszeitraum von 1910 bis 1927 / 28 nachweisen.
Eine zweite Reisekamera unbekannten Modells ergänzte
Kirchners Sortiment ab 1913 und fand bis circa 1930 in unregelmässigen Abständen Verwendung. Sie verfügte über ein noch
kleineres Aufnahmeformat von 9 × 12 cm und war in ihrer Form als
Klappkamera besonders handlich. Auch sie besass ein Fach für
Glasplatten.
Ab 1925/26 erweiterte noch ein anderes unbekanntes Modell
Kirchners Sammlung an Fotoapparaten. Die Klappkamera mit der
Aufnahmegrösse von 10 × 15 cm bot die Möglichkeit, mit Glasplatten oder Planfilmen zu fotografieren. Dieses Modell nutzte
Kirchner für seine fotografischen Experimente und spontanen
Aufnahmeserien.
VON DER GLASPLATTE ZUM FOTO
« Ein Photo sende ich
Ihnen, sobald die Abzüge
trocken sind.» 2
2 Brief von Ernst Ludwig Kirchner an
Carl Hagemann vom 12. August 1916, zit. n.
Kornfeld/Wyss 2005 (wie Anm. 1), S. 31.
Zwei der kleinen Reisekameras in Kirchners Besitz boten die
Möglichkeit, mit einem Zellulosefilm zu fotografieren. Anders als
heute war dieser Planfilm nicht aufgerollt und bestand aus
einzelnen Blättern, die flach in das Kamerafach eingelegt wurden.
Dennoch benutzte Kirchner hauptsächlich Glasplatten für
seine Aufnahmen. Für die Entwicklung dieser Platten benötigte
er fliessendes Wasser, eine stabile Raumtemperatur, rotes Licht
sowie bestimmte Chemikalien für die Entwicklung. In der Dunkelkammer wurde ein Fotopapier auf die Glasplatte gelegt und
von oben mit einer Lampe beleuchtet: Dabei entstand per Kontaktabzug die Fotografie, also das Positivbild der Aufnahme.
Kirchner hat nachweislich selbst Abzüge seiner Aufnahmen entwickelt, davon zeugen einige wenige Notizen in seinen Aufzeichnungen. In seinen frühen Ateliers in Dresden und Berlin waren
die Gegebenheiten gut. Da Kirchner nach 1926 Entwicklerflüssigkeit und Kopierrahmen in Berlin bestellte, können wir davon
ausgehen, dass er auch in Davos eigene Aufnahmen entwickelte.