KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 35
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Aufnahme der Skulptur
Bauer mit Kuh (bemalt um
1925, Privatsammlung),
o. D., Zellulosenitrat-Negativ.
Die Rückenpartie der Figur
wurde vermutlich zur
Erhöhung des Kontrasts
retuschiert.
TECHNISCHES WERKZEUG
ODER KÜNSTLERISCHER IMPULS ?
Was genau Kirchner mit diesen Eingriffen beabsichtigte, lässt sich
heute nicht abschliessend klären. Es ist jedoch anzunehmen,
dass sie dazu dienten, die Abzüge möglichst nah an die Wirkung
der Originalwerke heranzuführen – sei es für Dokumentationszwecke oder für Reproduktionsvorlagen.
Auffällig ist zudem, dass es sich bei den bearbeiteten Negativen
ausschliesslich um Fotos seiner Kunstwerke handelt – nicht
etwa um Landschaftsaufnahmen, Porträts oder Alltagsszenen.
Das legt nahe, dass Kirchner an einer gezielten fotografischen
Darstellung seiner Arbeiten interessiert war, wobei er technische
Mittel nutzte, um Bildwirkung und Detailgenauigkeit zu beeinflussen.
Die systematische Digitalisierung der Nitratnegative leistet
damit nicht nur einen Beitrag zur konservatorischen Sicherung des
Bestands, sondern erweitert zugleich die Grundlage für eine
differenzierte Auseinandersetzung mit Kirchners fotografischem
Arbeiten. Insbesondere die bislang wenig beachteten manuellen
Eingriffe eröffnen neue Perspektiven auf sein technisches
Verständnis von Bildwirkung innerhalb fotografischer Prozesse.