KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 28
Abb. 2
Ernst Ludwig Kirchner,
Rosita Schneider zu
Pferd, 1931
Dabei betonte Kirchner gerade bei diesem Motiv, dass «[f]ür
das Schaffen […] genau wie früher Erlebnis und Vision und
Phantasie Ausgangspunkt» gewesen seien,3 und bezog sich damit
auf das von ihm gestaltete Programm der Künstlergruppe Brücke
von 1906, wonach jeder zu dieser Gemeinschaft gehöre, der
«unmittelbar und unverfälscht das wiedergiebt [sic], was ihn zum
Schaffen draengt».4 Man fragt sich allerdings, ob die Reiterin
so spontan entstanden sein kann, wie dort gefordert. Denn das
Bild wirkt fest gefügt aus klaren abstrakten Flächen und erinnert damit sicherlich nicht zufällig an zeitgleiche französische
Werke etwa von der 1931 gegründeten Gruppe AbstractionCréation. Von der schnellen Alla-prima-Malweise der kirchnerschen Gemälde aus seiner Dresdner Zeit ist nichts mehr zu sehen.
3 Brief von Ernst Ludwig Kirchner an
Gustav Schiefler vom 3. September 1932,
in: Ernst Ludwig Kirchner – Gustav
Schiefler, Briefwechsel 1910 – 1935 / 1938.
Mit Briefen von und an Luise Schiefler und
Erna Kirchner sowie weiteren Dokumenten
aus Schieflers Korrespondenz-Ablage, hrsg.
von Wolfgang Henze, Stuttgart 1990, S. 691
( Nr. 604 ). Aus diesem Brief stammen
auch die folgenden Zitate.
4 Programm der Künstlergruppe Brücke,
Handzettel, 1906, in: Dokumente der
Künstlergruppe Brücke (Brücke-Archiv 22),
hrsg. von Magdalena M. Moeller, München
2007, S. 40.