KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 23
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Ernst Ludwig Kirchner,
Bergatelier, 1937
Ernst Ludwig Kirchner,
Selbstporträt im
Wildbodenhaus,
um 1930
KIRCHNERS
WOHNHÄUSER
Neben seiner Zeit in der Hütte auf der Stafelalp
lebt Kirchner im Landwassertal an zwei weiteren
Orten, die für sein künstlerisches Schaffen
zentrale Bedeutung gewinnen: zunächst im abgelegenen Bauernhaus «In den Lärchen» oberhalb von Frauenkirch, später im Haus auf
dem Wildboden am Eingang zum Sertigtal. Beide
DIE DAVOSER
Wohnsitze dienen ihm nicht nur als Rückzugsort,
LANDSCHAFT
sondern werden zu Motiven seiner fotografischen Arbeit. Sie spiegeln sich auch in seinem
In dieser Werkphase rückt neben archetypischen gestalterischen Denken wider.
Figuren wie dem Hirten oder den drei SchwesKirchner dokumentiert nicht nur die Menschen
tern zunehmend auch die Davoser Berglandin seiner Nähe, sondern auch das Innere seiner
schaft selbst in den Fokus: weite Ausblicke, klare Wohn- und Arbeitsräume: selbst entworfene
topografische Strukturen und die charakterisMöbel, textile Arrangements, Alltagsgegenstände.
tischen Formen des Gebirges. Kirchner interesWas zunächst beiläufig erscheint, entpuppt
siert sich für Aufbau und Gliederung des Raums – sich bei genauerer Betrachtung als bewusst
für die Art, wie sich Natur in Linien, Flächen
komponiert. Die Kamera wird für ihn zu einem
und Hell-Dunkel-Kontrasten strukturieren lässt. Instrument des Ordnens und Gestaltens –
Viele dieser Aufnahmen nutzt er später
ein Medium, mit dem er Sichtweisen entwickelt,
als visuelles Archiv für seine zeichnerische und
Dinge strukturiert und in seine künstlerische
malerische Arbeit. Auch wenn sie nicht immer
Welt überführt.
unmittelbar als Vorlagen dienten, gaben sie ihm,
wie er schreibt, « die sichere Gewähr der geschauten Form ». Der fotografische Blick wird so
Teil eines künstlerischen Prozesses, in dem Wahrnehmung und Gestaltung ineinandergreifen.