KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 18
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Ernst Ludwig Kirchner,
Nina Hard ( Engelhardt)
und Erna Schilling, badend
im Suzibachtobel, 1921
Nachlass Eberhard W.
Kornfeld, Bern
KIRCHNER
UND DIE FOTOGRAFIE
Auch Ernst Ludwig Kirchner gehörte zu jenen Künstlern, die das
Potenzial der Fotografie früh erkannten. Bereits um 1908, während
seines ersten Aufenthalts auf Fehmarn, kam er mit dem Medium
in Berührung. Eine entscheidende Rolle spielte dabei Emy
Frisch, eine ausgebildete Fotografin, die später Kirchners Künstlerkollegen Karl Schmidt-Rottluff heiratete. Von ihr lernte Kirchner
den Umgang mit Glasplatten und die technischen Grundlagen
der Fotografie. Nur ein Jahr später entstanden in Dresden seine
ersten eigenen Aufnahmen. Was als neugieriger Versuch begann,
entwickelte sich rasch zu einer festen Grösse in Kirchners
künstlerischer Praxis. Über Jahrzehnte hinweg fotografierte er
regelmässig: seine Ateliers in Berlin, die Landschaften Fehmarns,
das dörfliche Leben in der Schweiz, seine Lebensgefährtin
Erna, Besucher:innen, die bäuerliche Gemeinschaft – und immer
wieder sich selbst. Ab den 1920er-Jahre kamen vermehrt eindrückliche Porträts und Aktdarstellungen in freier Natur hinzu.
EIN GROSSES ERBE
Ernst Ludwig Kirchner,
Erna Schilling und
Lise Gujer, um 1935
Am Ende seines Lebens hinterliess Kirchner rund 1300 Glasund Zellulosenegative, zahlreiche Abzüge sowie fünf gebundene
Fotoalben mit etwa 900 Aufnahmen seiner Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Druckgrafiken – darunter auch Installationsansichten von Ausstellungen. Der Grossteil dieses einzigartigen Konvoluts befindet sich heute im Kirchner Museum Davos.
Viele dieser Fotografien dienten einem ganz praktischen Zweck:
Sie dokumentierten Kirchners Werke und wurden gezielt zur
Verbreitung seines Schaffens eingesetzt. Der Künstler nutzte sie
zur Selbstvermarktung, etwa um Sammler:innen über neue
Arbeiten zu informieren. Dabei bestand er darauf, dass für Publikationen ausschliesslich seine eigenen Fotografien verwendet
werden durften – ein Mittel der Qualitätskontrolle und der ästhetischen Selbstbestimmung. Es ist nachgewiesen, dass er seine
Aufnahmen teilweise selbst entwickelte und vergrösserte, auch
wenn der genaue Umfang unklar bleibt. Technisch dürfte dies
nicht immer einfach gewesen sein : Im Haus auf dem Wildboden
etwa fehlten die Voraussetzungen für komplexe Entwicklungsprozesse – allein die nötige Wässerung der Glasplatten hätte zwanzig Minuten in leicht fliessendem Wasser erfordert.