KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 15
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Ernst Ludwig Kirchner,
Bauerntanz im Obergeschoss des Hauses
« In den Lärchen »
mit Selbstporträt links,
1919 /20
« Wie soll das alles enden ?
Man fühlt, dass die Entscheidung in der Luft liegt
und alles geht drunter und drüber. » 5
Doch auch diese scheinbare Idylle wird von einem Schatten getrübt. Kirchner hat Angst : Die deutsche Kulturpolitik und die
Machtergreifung der Nationalsozialisten bereiten ihm Sorge. Diese
schlägt sich vor allem auf seine Gesundheit nieder – die Angstattacken kehren zurück und er greift wieder zu morphinhaltigen
Medikamenten. Dies ist eine Zeit des Rückzugs – Kirchner konzentriert sich nun vor allem auf die Schweiz, bemüht sich um die
Stärkung beruflicher Kontakte; und dennoch kann er die Weltpolitik nicht ausblenden. Während 1937 seine erste Ausstellung in
den USA gezeigt wird, entfernen die Nationalsozialisten in
Deutschland rund 770 seiner Werke aus den Museen. Kirchner
ist zerrissen vor Angst. Er befürchtet den Einmarsch deutscher
Truppen in Graubünden und zerstört impulsiv viele seiner Druckstöcke und Skulpturen. Es scheint, als hätte er noch einen kleinen
Lichtblick verspürt, als er am 10. Mai 1938 bei der Davoser
Gemeinde den Antrag für die Hochzeit mit Erna einreicht, doch
diesen zieht er kurz darauf wieder zurück. Am 15. Juni erschiesst
er sich in der Nähe seines Hauses auf dem Wildboden. Noch heute
kann sein Grab auf dem Davoser Waldfriedhof besucht werden.
5 Brief von Ernst Ludwig Kirchner an
Gustav Schiefler vom 12. November 1916,
in : Ernst Ludwig Kirchner – Gustav Schiefler,
Briefwechsel 1910 – 1935 / 1938. Mit Briefen
von und an Luise Schiefler und Erna Kirchner
sowie weiteren Dokumenten aus Schieflers
Korrespondenz-Ablage, hrsg. von Wolfgang
Henze, Stuttgart 1990, S. 83/84 (Nr. 65).