KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 13
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Doch wie kommt Kirchner nach Davos ? Auf Empfehlung eines
Freundes reist er im Januar 1917 in das Bergdorf. Doch schon Anfang Februar kehrt er hastig zurück nach Berlin. Es ist ihm einfach zu kalt in Graubünden. Doch dieser kurze Aufenthalt in den
Schweizer Bergen scheint etwas in ihm ausgelöst zu haben –
eine Inspiration, die ihn im Mai zu einer erneuten Reise aufbrechen
lässt. Sein Gesundheitszustand ist beängstigend: Neben einer
Medikamentenabhängigkeit leidet er auch noch an Lähmungen
seiner Gliedmassen und Bewusstseinsstörungen. Zusammen mit
der Pflegerin Hedwig verbringt er den Schweizer Sommer auf
der Stafelalp in der Rüesch-Hütte und tut das, was er immer an eindrucksvollen Orten macht : Er fängt seine Umgebung in Zeichnungen ein, die seine Faszination für die Bergwelt und das einfache Leben der Bäuer:innen zeigen. Schnell erkennt Kirchner, dass
Davos seine Zukunft bereithält. Diese beginnt im Haus «In den
Lärchen».
« Heute war die Sehnsucht nach dem Teppich
so gross, dass E. ihn mir holte, nun liege ich darin.
Wie schön er ist. » 3
Damit er sich auch in der neuen Umgebung wie zu Hause fühlen
kann, lässt er Anfang 1919 erstes Umzugsgut von Berlin nach
Davos transportieren. Darunter sind seine geliebte Druckerpresse
und selbst gefertigte Teppiche, die er dringend für sein Wohlbefinden benötigt. Die Hütte auf der Stafelalp bleibt sein beliebtes
Sommerdomizil. Inmitten blühender Wiesen, der Kühe auf den
Weiden und dem Leben der Hirt:innen verbringt Kirchner dort die
sonnengewärmten Monate.
3 Zit. n. Lothar Grisebach (Hrsg. ),
Ernst Ludwig Kirchners Davoser Tagebuch.
Eine Darstellung des Malers und eine
Sammlung seiner Schriften, bearb. und
komm. von Lucius Grisebach, Ostfildern
1997, S. 29.