KMD-MAGAZIN-JUNI2025 - Flipbook - Seite 11
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Ein unsichtbarer Seelenschmerz
Ernst Ludwig Kirchner,
Selbstporträt als
Soldat im Atelier BerlinFriedenau, Körnerstrasse 45, 1915
Doch auch dieses Paradies kann den Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 nicht fernhalten und die dunklen Wolken, die sich auf
Kirchners Gemüt legen, nicht vertreiben. Zunehmend leidet er
an nervösen Angstzuständen und gibt sich übermässigem Alkoholkonsum hin. Auf der Suche nach einer Lösung überlegt er fieberhaft, wie er den Krieg überstehen könnte. Durch seine freiwillige Meldung zum Wehrdienst erhofft er sich, zumindest die
Waffengattung selbst wählen zu können, doch er wird zur Feldartillerie nach Halle an der Saale berufen. Inszeniert er sich anfänglich noch als Soldat in seinem Atelier, leidet er doch zunehmend
unter dem militärischen Druck und bricht schliesslich zusammen.
Die Beurlaubung vom Wehrdienst ist für Kirchner jedoch
nicht das Ende des Leidens, sondern der Anfang einer jahrelangen
Reise durch verschiedene Sanatorien, unterschiedlichster
Diagnosen und einer intensiven Auseinandersetzung mit seiner
Gesundheit.
Ernst Ludwig Kirchner,
Reitender Offizier in der
Reitbahn der Kaserne,
Halle, 1915